31.08.2010

30. - 31. August MEDULIN (ISTRIEN)

Es ist 07:00 Uhr Früh. Wir sitzen mit unseren slowenischen Nachbarn im Hafenkaffee bei Nerezine. Um 09:00 Uhr müssen wir in Osor sein. Nur dann ist der enge Kanal, der die Insel Cres von der Insel Losinj trennt, befahrbar. Für 10 Minuten wird eine Drehbrücke geöffnet und der Weg über den Kvarner ist frei.

Ich bin sehr nervös. Der Wetterbericht sagt, dass eine Kaltfront aus NW am Nachmittag in unserer Region eintreffen wird. Das bedeutet starke Bora und Gewitter. Über den Kvarner brauchen wir 2 Stunden. Das heisst von 09:00 - 11:00 Uhr. Einen technischen Zwischenfall darf es aber bei diesem schmalen Zeitfenster keinen geben und die Prognose muss stimmen.

Wieder einmal schmeissen wir unsere guten Vorsätze über Bord: "Wir wollen kein unnötiges Risiko eingehen." Leicht hätten wir im sicheren Osor bleiben können.

Wir nehmen uns in Zunft fest vor: Nie mehr vor einer Schlechwetterfront eine heikle Passage!

Während der zwei Stunden Fahrt bereue ich die Entscheidung. Ich höre auf jedes Maschinengeräusch, beobachte ständig alle Instrumente und die dunkle Wolkenfront steuerbords.
Das Problem bei dieser Überfahrt ist bedingt durch die spezielle geografische Beschaffenheit des Kvarners. Durch den Düseneffekt ergeben sich bei Schlechtwetter unglaubliche Windgeschwindigkeiten und die Welle kommt stets seitlich. Um das Schiff zu stabilisieren muss man Vollgas geben. Das ist eine enorme Belastungsprobe für das Material. Ein Maschinenausfall würde bei solchen Bedingungen die Gefahr des Kententerns ungemein erhöhen.
Endlich: Medulin auf der anderen Seite nimmt Konturen an. Wir steuern um 11:30 wieder unseren bereits vertrauten Ankerplatz an.
Pünktlich, wie angekündigt um 15:00 Uhr geht,s los. Innerhalb von wenigen Minuten kommt eine "Walze" auf uns zu. Sturm, Wellen, Regen. Bei einem Segler hält der Anker nicht. Er treibt auf ein anderes Boot zu. Jetzt haben beide Schiffe Stress. Uns bringt das nicht mehr aus der Fassung. Wir wissen aus Erfahrung, dass wir auf unserem Platz sicher sind. An diesem Abend feiere ich unsere glückliche "Landung" in Istrien mit Bier, Weisswein und Rotwein - gute Nacht.

Wir bleiben auch am 31. hier.

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